Was wir sind und was wir sein könnten

Gerlad Hüther
Ein neurobiologischer Mutmacher (S. Fischer)
2011, S. Fischer Verlg GmbH, Frankfurt am Main
ISBN 978-3-10-032405-4

Auf dieses Buch habe ich gewartet ... Nachdem mir alle Bücher von Hüther - im Gegensatz zu seinen Vorträgen - eher trocken und nicht so leicht lesbar entgegenkamen, ist dieses Buch aus meiner Sicht äusserst interessant geschrieben. Hüther zeigt hier drin seine Vorstellung, wie neurobiologische Erkenntnisse helfen können, mehr aus dieser Welt zu machen. Man spürt in jeder Zeile seine eigene Begeisterung für die Sache und auch seine Sachkenntnis. Ganz viele Erklärungen und Gedanken halfen mir, neurobiologische Erkenntnisse "ins Leben" zu bringen. Im Wissen jedoch, dass alle diese Darstellungen Konstrukte eines beherzten und charismatischen Mannes sind. Manchmal ist mir Hüther bereits etwas zu "missionarisch". Es tönt so, als ob es das Einfachste der Welt wäre, diese Angebote "weg von der Ressourcennutzung hin zur Potentialentfaltung" zu machen. Da bin ich mir jedoch manchmal nicht so sicher, ob dies auch auf diese Weise gelingen kann. Wir sind halt trotzdem immer noch von vielen unbewusst ablaufenden Prozessen gesteuert und es braucht viel Energie, diese "Autobahnen" zu verlassen und neuere gescheitere zu bauen. Über diese Schwierigkeit wird kaum berichtet. Da würde ich mich gerne mal mit Gerald Hüther austauschen ...

Ich werde das Buch in nächster Zeit immer wieder als Nachschlage- und Nachlesewerk nutzen wollen. Viele Gedanken werde ich in meine Kurse und Weiterbildungen integrieren. Es lohnt sich, dieses Buch zu lesen.

Aus dem Inhalt
Einstieg
1. Wer ist "Wir"?
2. Was sind wir?
3. Wie sind wir so geworden, wie wir sind?
4. Was haben wir uns alles eingeredet?
5. Was haben wir aus uns gemacht?
6. Was könnte aus uns werden?

 

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Lernen und Gehirn

Ralf Caspary (Hg.)
Der Weg zu einer neuen Pädagogik
2006, Herder Verlag Freiburg im Breisgau
ISBN 978-3-451-05763-2

Mit Beiträgen von Gerald Hüther, Gerhard Roth, Manfred Spitzer u.a.

Dieses Buch empfehle ich jeweils Kolleginnen und Kollegen, die sich einen Überblick über den Nutzen der Neurobiologie für das Thema Lernen verschaffen wollen. Die Aufsätze setzen sich teilweise sehr kritisch mit den neusten Erkenntnissen der Gehirnforschung auseinander.

Hervorheben möchte ich den Beitrag von Joachim Bauer über Spiegelneurone. Auch wenn evtl. nach heutigem Wissensstand nicht mehr alles auf topaktuellstem Stand ist, gibt er doch wichtige Hinweise in Bezug auf Verhaltensweisen von Lehrpersonen. Insbesondere die Wirkung von Vorbildern hat mir Eindruck gemacht. Fürs Verständnis von Lernprozessen war mir der Text von Heinz Schirp sehr nützlich.

 

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Neurodidaktik

Ulrich Herrmann (Hrsg.)
Grundlagen udn Vorschläge für gehirngerechtes Lernen
2006, Beltz Verlag, Weinheim und Basel
ISBN: 978-3-407-25413-9

Mit Beiträgen von Gerald Hüther, Gerhard Roth, Margret Arnold, Maja Storch u.a.

Auch dieses Buch eignet sich, sich einen Überblick über den Nutzen der Neurobiologie für das Thema Lernen zu verschaffen. Es gliedert sich in drei Themen: I. Lernen als Thema der Neurowissenschaften, II. Gehirnforschung und Pädagogik auf dem Weg zur Neurodidaktik?, III. Lernen und Lehren - neurodidaktisch angeleitet.

Für das erste Thema teilen neben anderen Hüther und Roth Ihre Vorstellungen, was neurobiologisch beim Lernen geschieht. Von jeder Seite wird der Prozess wieder etwas anders beleuchtet, so dass sich damit eine gewisse Übersicht ergibt.

Im zweiten Bereich sind verschiedene Aufsätze zu finden, die sich teil kritisch, teils neugierig offen mit Ergebnissen der neurologischen Forschung auseinander setzen. Elsbeth Stern beschreibt zum Beispiel gewohnt klar und kritisch die aktuelle Situation aus Ihrer Sicht. Weniger kritisch zeigt sich Ulrich Herrmann mit aus meiner Sicht vielen nützlichen Hinweisen, wie neuorbiologische Erkenntnisse genutzt werden können. Margret Arnold weist darauf hin, welche Prinzipien und Elemente für gehirngerechtes Lernen wirksam werden.

Der dritte Teil ist konkreten Anwendungen gewidmet. Zwei Beiträge beschäftigen sich mit dem Zürcher Ressourcenmodell (ZRM), welches neurobiologische Erkenntnisse erfolgreich in die Praxis umsetzen konnte (u.a. von Maja Storch). Hier liegen bereits viele positive Ergebnisse vor. So, wie beim ZRM auf die Ressourcen fokussiert wird, weisen auch der Beitrag von Gerhard Friedrich auf dieses Phänomen hin.

 

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Die Gehirnforschung

und ihre Bedeutung für Pädagogik, Psychotherapie und Trauma-Arbeit

Geralt Hüther / Maranne Bentzen / Peter Levine
Originalvorträge Auditorium Netzwerk D-Müllheim/Baden
2009

Diese DVD beinhaltet ca. 15 Stunden Film. Ich beziehe mich hier nur auf den ersten von Gerald Hüther. Die anderen sind für mich aktuellerweise nicht wesentlich.

Gewohnt locker und interessant stellt Hüther auf dieser DVD seine Vorstellungen einer neuen Pädagogik vor. Seine zwei Grundbotschaften sind (so wie ich das meine gehört zu haben):
- Wir wollen alle wachsen und wir wollen alle dazu gehören.
- Lernen heisst: Einladen - Ermutigen - Inspirieren.
Diese beiden Botschaften unterlegt Hüther mir neurobiologischen Erkenntnissen. Ich bekam durchs Studium dieses Tages mit Hüther auch durch viele Aha-Erlebnisse eine erweiterte Sicht von Lernprozessen.

Hüther referiert über 6 Themen:
- Das Gehirn ist eine Baustelle: Durch ständig sich verändernde neuronale Verbindungen entsteht auch immer wieder Neues.
- Bewertungen sind entscheidend: Die Bedeutung, die wir den Dingen und Verhaltensweisen geben, haben einen Einfluss auf die neuronalen Veränderungen.
- Gefühle sind wichtig: Alle Erfahrungen sind auch mit Gefühlen verbunden.
- Erfahrungen hinterlassen Spuren: Unsere Erfahrungen sind verantwortlich für die "Verdrahtungen" im Gehirn.
- Das Gehirn ist ein soziales Konstrukt: Wir lernen immer zusammen mit anderen und in Verbindung mit anderen.
- Das Bedürfnis verbunden zu bleiben und über sich hinauszuwachsen ist im Gehirn verankert: Das ist eine grundlegende Erfahrung, die im Mutterleib gemacht wurde.

 

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Den Übergang meistern -

Von der Ressourcenausnutzung zur Potenzialentwicklung
CD mit Gerald Hüther
Originalvorträge Auditorium Netzwerk D-Müllheim/Baden
2009

Gerald Hüther zeigt in diesem etwa 60minütigen Referat auf, wie die Zitrone nicht nur ausgepresst und verwertet wird, sondern wie daraus Mehrnutzen entstehen könnte (das sind meine Worte, Hüther erklärt das anders!). Er plädiert in diesem Vortrag vor Unternehmensführern für einen Weg der Potenzialentwicklung. Im Unterschied zur Ressourcennutzung, die immer auch mit zu Ende gehenden Ressourcen rechnen muss, gilt es bei der Potenzialentfaltung neue Wege und Möglichkeiten zu finden und zu entdecken, die nicht auf Ausnutzung beruhen.

Eine gute Idee. Packen wirs an. Da gibt's noch zu tun.

 

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Warum sie so seltsam sind

Barbara Strauch
Gehirnentwicklung bie Teenagern
Berlin Verlag; Auflage: 1., Aufl. (März 2003)
ISBN-10: 3827004373
ISBN-13: 978-3827004376


Barbara Strauch ist Wissenschaftsjournalistin und trägt in diesem Buch sämtliches zu dieser Zeit (um 2003) verfügbares Wissen über das pubertierende Gehirn zusammen. Die Erkenntnisse sind aus meiner Sicht so hilfreich, dass alle Menschen, die mit Pubertierenden zu tun haben, dieses Buch lesen müssten ...

Nicht immer konnte ich die Zusammenhänge, die Strauch aufbaut auch wirlich verstehen. Dennoch vermittelte sie mir einen starken Eindruck über die Vorgänge im Gehirn Jugendlicher. Auch die regelmässigen Bezüge zu sinnvollem Verhalten der Erwachsenen Jugendlichen gegenüber erweiterten meinen Handlungsspielraum.

Eine Auswahl von Themen im Buch: Innere Leidenschaft: Auf der Suche nach Normalität, Zeit der Impulse: Neugestaltung der Stirnlappen, Riskante Unternehmungen: Warum tun sie so etwas?, Weggespült: Eine Hormonwelle schwappt durch das Gehirn, Aus dem Gleis geworfen: Alte Übel und neue Gefahren, Auf dem Weg zur Reife: Wie man auf Wachstum und Wandel eines Teenagerhirns reagiert.

 

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